2026/09 – Spielmann hol über 2026

Am Sonntag, dem 6. September 2026, begleitete eine Abordnung der Garde „Kin Wiever“ den aktuellen Spielmann Arne Herrmann, der seit 2014 Mitglied der Garde  ist, auf seiner letzten Amtshandlung, dem sogenannten „Spielmann hol über“.

Die Geschichte „Spielmann hol über“ geht auf eine alte Monheimer Sage aus dem Jahr 1615 zurück.

Als fahrender Musikant kam der Spielmann der Sage nach 1615 erstmals über den Rhein zur Monheimer Kirmes – allerdings zu Fuß und dabei noch Geige spielend! Weil der Rhein extrem wenig Wasser hatte und er die fröhlichen Menschen auf der anderen Seite sah, watete er kurzerhand – geigend und spielend – durch den Fluss. Das Wasser reichte ihm bis an die Achseln, aber er hielt die Geige hoch und fiedelte weiter. Ein Geistlicher (ein Dominikanerpater) war entsetzt und warf dem Spielmann „Teufelskunst“ vor. Er forderte den Monheimer Amtmann auf, den Musiker vor ein geistliches Gericht zu stellen, was damals oft den Tod auf dem Scheiterhaufen bedeutete. Der kluge Amtmann rettete den Spielmann mit einem cleveren Argument: Er erklärte, keine Teufelskunst sei im Spiel, sondern schlicht der niedrige Wasserstand des Rheins, da man den Fluss an jener Stelle eben zu Fuß durchqueren könne. Einzig das Geige spielen wurde als Frevel verurteilt und mit einer Strafe belegt. Seitdem ist der Spielmann nie mehr nach Monheim gekommen. Natürlich wurde aber weiter von ihm berichtet, auch unter dem Namen „der alte Gott“, da eines seiner Lieder mit den Worten „Der alte Gott lebt noch“ begann.

Seit 1955 tritt der Spielmann als lebendige Gestalt gemeinsam mit der Monheimer Gänseliesel als Traditionspaar im Monheimer Karneval auf. Traditionell wird der Spielmann dabei vom anderen Rheinufer mit einem Boot übergeholt. Die Figur des Spielmanns ist somit fest mit der Stadtgeschichte verbunden und bildet zusammen mit dem Gänseliesel das bekannte Monheimer Traditionspaar. Die Große Monheimer Karnevalsgesellschaft (GroMoKa) lässt diese Geschichte beim jährlichen Event „Spielmann hol über“ lebendig werden, bei dem der Spielmann traditionell über den Rhein geholt wird.

Die Figuren Gänseliesel und Spielmann sind untrennbar mit der Geschichte und Identität der Stadt Monheim am Rhein verbunden. Sie stehen für Heimatverbundenheit, Brauchtum und die enge Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Große Monheimer Karnevalsgesellschaft 1902 e. V. (GroMoKa) hat die besondere Aufgabe übernommen, diese traditionsreichen Figuren Jahr für Jahr mit Leben zu füllen. Mit viel Engagement und großer Freude stellen sie das Gänseliesel und den Spielmann und tragen dazu bei, dass ein bedeutender Teil der Monheimer Stadtgeschichte auch für kommende Generationen erlebbar bleibt. Als offizielle Traditionsfiguren repräsentieren Gänseliesel und Spielmann nicht nur den Monheimer Karneval, sondern auch die tiefe Verbundenheit der Menschen mit ihrer Stadt. Für die GroMoKa ist es eine besondere Ehre, diese Verantwortung zu tragen. Mit Stolz und großer Wertschätzung sorgen sie dafür, dass Gänseliesel und Spielmann auch heute noch das verkörpern, was Monheim am Rhein auszeichnet: Gemeinschaft, Geschichte und gelebtes Brauchtum.

Der Tag begann um 11:00 Uhr mit der Überfahrt von Monheim zum „Landgasthaus Piwipp“. Dazu fuhren der Spielmann (zunächst noch mit seiner Gänseliesel), die Abordnung der „Kin Wiever“ und eine große Gruppe der „Prinzengarde Blau-Weiß Monheim am Rhein“ mit der Personenfähre  „Piwipper Böötchen“ über den Rhein.

Nach der Ankunft der Prinzengardisten erfolgte ein kleiner Umtrunk und ein Essen zur Stärkung für die bevorstehende Feier.

Hier trifft der Spielmann der vorherigen Session den aktuellen Spielmann

Auch das Prinzenpaar kam zu einen Besuch vorbei

Anschließend – gegen 14:00 Uhr – fuhr die Prinzengarde wieder auf die andere Rheinseite um dort auf den Spielmann zu warten. In Begleitung von zwei Gardisten der „Kin Wiever“ (Wolfgang Heimann und Gerd Hachtel) setzte der Spielmann gegen 16:00 Uhr dann in Richtung Monheim über. Der Bootsführer ließ es sich dabei nicht nehmen, einige Pirouetten auf dem Rhein zu drehen. Und dann führte er – statt der normalen Landung am Bootssteg – ein „Beach Landing“ am Rheinstrand auf einer kleinen Sandbank durch.

Der Spielmann wurde schon von allen Anwesenden erwartet

Und die Gänseliesel erwartete ihren Spielmann ebenfalls sehnlichst

Und dann kam das „Piwipper Böötchen“ näher

Zusätzlich feierte das Traditionspaar auch noch am gleichen Tag seinen 12. Hochzeitstag. Die Gromoka gratulierte:

Herzlichen Glückwunsch, liebe Nina, lieber Arne!

Als GroMoKa gratulieren wir euch von Herzen zu eurem 12. Hochzeitstag! Im vergangenen Jahr habt ihr eine großartige Session gemeinsam mit uns gestaltet und gezeigt, wie viel Herzblut, Freude und Leidenschaft ihr für unser Monheimer Brauchtum mitbringt. Wir sind stolz darauf, mit euch ein Traditionspaar gefunden zu haben, das nicht nur die Monheimer Stadtgeschichte lebendig hält, sondern auch unseren Karneval mit ganz viel Herz bereichert. Gänseliesel und Spielmann gehören zu Monheim – und ihr gehört inzwischen einfach dazu! Wir hoffen sehr, dass ihr uns und dem Monheimer Brauchtum noch viele Jahre erhalten bleibt. Danke, Nina und Arne, für euren Einsatz, eure Zeit und euer Herzblut! Auf euch, auf die Liebe und auf unser Monnem!

 

Auch das Prinzenpaar gratulierte auf Instagram:

Immer wieder eine schöne Tradition bei uns am Rhein. Spielmann und Gänseliesel sind vereint. Es war eine tolle Session 2025/26 mit euch. Und wir wünschen alles Gute zum Hochzeitstag.

Zum Abschluss der Zeremonie sang die Gänseliesel noch ein letztes Mal das Monheimer Wappenlied

Schließlich berichtete auch die Rheinische Post über das Ereignis:

Karneval – Gänseliesel nimmt den Spielmann in Monheim in Empfang

Wieder vereint: Nach der erfolgreichen Überfahrt nahm die Gänseliesel ihren Spielmann strahlend am Monheimer Ufer in Empfang. (Foto: Ralph Matzerath)

Bei bestem Sommerwetter feierte die Gromoka am Monheimer Rheinufer ihre Tradition „Spielmann hol’ über“. Nach der Fahrt über den Rhein wurde der Held jubelnd in Empfang genommen. Bei strahlendem Sonnenschein feierte Monheim am Sonntag (6. September) wieder ein Stück lebendige Stadtgeschichte: Das Traditionsfest „Spielmann hol’ über“ lockte zahlreiche Besucher ans idyllische Rheinufer. Unter dem Jubel der Menge setzte der Spielmann Arne stilecht mit dem Piwipper Böötchen über den Rhein, wo ihn die Gänseliesel Nina freudig in Empfang nahmen. Bei kühlen Getränken und bester Stimmung genossen die Gäste das bunte Programm der Gromoka. Tanz-Auftritte der Funkenkinder sowie der Gänselieschen und Spielmänner rundeten den Nachmittag ab.

 

Das Traditionspaar hatte sich – auf der Gromoka-Homepage – folgendermaßen vorgestellt:

Gänseliesel und Spielmann – Ein Herz für Monheimer Tradition

Mit Freude und Stolz treten wir, Nina (41 Jahre jung) und Arne (43 Jahre alt), in dieser Session als Gänseliesel und Spielmann an. Als Ehepaar teilen wir nicht nur das Leben miteinander, sondern auch die Begeisterung für die Karnevalskultur, die unsere Heimat prägt.

Nina stammt aus Kiel, doch ihre Leidenschaft für Tradition und Brauchtum hat sie fest mit dem Rheinland verbunden. Sie arbeitet in der Rhein-Apotheke und verbringt viel Zeit im Rheinbogen, wo ihre Pferde wohnen – ein Stück Naturverbundenheit, das sie besonders schätzt. Als Gänseliesel tauscht sie für eine Session ihre Pferde gegen eine Schar Gänse aus.

Arne stammt aus Hitdorf und ist fest in der Tradition verankert – seine Eltern zählen zu den Gründungsmitgliedern der Karnevalsgesellschaft Hetdörper Mädche un Junge vun 93 e.V. Selbst ist er aktiv bei den Kin Wievern aus Baumberg und bringt als Spielmann die passenden Klänge ins närrische Treiben. Mit seiner Geige sorgt er dafür, dass die Karnevalsstimmung schwungvoll durch die Kulturraffinerie K714 zieht.

Wir freuen uns darauf, ein Teil dieser wundervollen Tradition zu sein und gemeinsam mit allen Jecken den Karneval 2025/2026 zu feiern. Auf eine unvergessliche Zeit voller Frohsinn und Gemeinschaft!

Für die schönen Fotos bedanken wir uns bei Norbert Töpfer und Dieter Kewersun!

 

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